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Perspektiven musikalischer Ästhetik und Poetik

 

Internet-Auftritte von Publizisten und Wissenschaftlern – Teil 2

 

von Stefan Drees

Im ersten Teil dieses Beitrags wurden mit den Websites Beckmesser. Die Seite für neue Musik und Musikkritik von Max Nyffeler (http://www.beckmesser.de) und Musikalischer Trichter von Christoph Dohrmann (http://www.musikalischertrichter.de) zwei Foren vorgestellt, deren Beiträge – vorwiegend auf der publizistischen Tätigkeit ihrer Autoren gründend – sich zu einem großen Teil durch Kritiken oder kurze Essays mit verschiedenen Facetten des zeitgenössischen Musiklebens auseinander setzen und so ein breites Spektrum an hervorragend aufbereiteten Fakten sowohl zur neuen wie auch zur alten Musik und deren medialer Interpretation zugänglich machen. (1) Drei weitere, fast ausschließlich auf den Bereich des aktuellen Musikschaffens ausgerichtete und dabei vor allem an ästhetischen Fragestellungen interessierte Seiten sollen diese erste Betrachtung vervollständigen.(2)

künstlerische grenzbereiche und kritik

 

Sowohl in Bezug auf ihre inhaltliche Ausrichtung als auch auf die zugänglich gemachten Textarten sind die Websites von Volker Straebel und Martin Hufner durchaus mit Max Nyffelers Beckmesser-Seite vergleichbar. Mit dem Titel Musikwissenschaftliche Praxis (http://www.straebel.de) lokalisiert Straebel seine Homepage dezidiert im wissenschaftlichen Diskurs. Dementsprechend enthält die Rubrik «Veröffentlichungen und Vorträge», über den Link «writings» erreichbar, umfangreichere Texte wissenschaftlicher Ausrichtung, die entweder für diverse Musikzeitschriften oder anlässlich von Festivals für Programmbücher entstanden sind. Seit Mitte der neunziger Jahre publizierte Aufsätze zur Musik jenseits des Konzertsaals («Wahrnehmung, Vorstellung und Erfahrung. Phänomenologische Betrachtungen zur Musik jenseits des Konzertstücks»), zur Technik und Aufführungspraxis von Klanginstallationen («Klangraum und Klanginstallation. Klanginstallation zwischen elektroakustischer Technik, Performance und Skulptur» oder «Musik zwischen Konzert, Theater und Installation. Von der Darbietung klingender Kunst») sowie zu hybriden Übergängen zwischen Bildender Kunst und Musik («Kunst und Musik, Musik als Kunst. Zu den Musik-Bildern von Linda Schwarz») zeigen, dass sich viele Beiträge thematisch mit den Grenzbereichen zwischen den Künsten auseinander setzen und dabei sowohl zentrale ästhetische Fragen als auch Probleme der Aufführung und Wahrnehmung streifen. Neben diesen längeren Essays stellt der Autor kleinere, aus diversen Printforen stammende Beiträge mit Informationen zu unterschiedlichen Künstlern und Musikern zur Verfügung. Sämtliche Inhalte der Website lassen sich über einen alphabetischen Index mit Namen und Stichworten erschließen. Darüber hinaus unterrichtet die Seite in der Rubrik «Realisationen und Aufführungen» unter dem Link «projects» über diverse künstlerische Projekte Straebels.

 

Ähnlich aufgebaut ist Hufners Website kritische musik – der server für musikkritik und musikalische analysen (http://www.kritische-musik.de), die neben zahlreichen, meist für Programmtexte und Vorträge entstandenen Werkeinführungen «von Beethoven bis Lachenmann» gleichfalls einige umfangreichere Aufsätze zu unterschiedlichen Themen enthält. Zu den längeren Essays zählen dabei Studien zu einzelnen Komponisten ebenso wie Manuskripte zu Radio-Features, darunter etwa die im weitesten Sinne mit ästhetischen Fragen befassten Beiträge «Das Rauhe und das Glatte. Studien zur Ästhetik der Imperfektion» und «Die Geburt der Anarchie aus dem Geist der Einsamkeit oder: Ist wirklich alles möglich?». Die Links zu den beiden verwandten Seiten kritische masse – das netz für kultur- und medienkritik (http://www.kritische-masse.de) und urteilskraft – das netz für kultur- und musikkritik (http://www.urteilskraft.de) führen gleichfalls zu einer Fülle lesenswerter Texte. Insbesondere die zuletzt genannte Seite bietet mitunter höchst informative Besprechungen von Büchern, CDs, CD-ROMs und Konzerten. Was bei all dem leider völlig fehlt, ist ein Index oder eine vernünftige Suchoption für den Benutzer, mit dessen Hilfe die Inhalte besser erschlossen werden könnten und die Suche nach konkreten Informationen erleichtert würde.

 

facetten der gegenwartskultur

 

Vergleichbaren Themenstellungen widmet sich auch die Homepage Hanno Ehrler (http://www.hanno-ehrler.de), die zugleich die Tätigkeit ihres Autors für den Rundfunk dokumentiert. Die zur Verfügung stehenden Manuskripte sind über thematische Bereiche, aber auch über ein alphabetisches Personenverzeichnis erschlossen und lassen sich zudem über die Suchfunktion der Website finden. Positiv ist auch zu bewerten, dass fast sämtliche Texte als PDF-Dateien zum Download zur Verfügung stehen. Ehrlers Themenstellungen berücksichtigen neben den Betrachtungen zur Ästhetik und Poetik unterschiedlicher Musiker auch Produktionsbedingungen von Musik und Randbereiche wie die Literatur. Ein überwiegender Teil der Beiträge, auffindbar in der (in mehrere Teilbereiche untergliederten) Rubrik «Manuskripte» besteht aus Porträts, in deren Mittelpunkt sowohl Komponisten (darunter Larry Austin, Unsuk Chin, Moritz Eggert, Karlheinz Essl, Manuel Hidalgo, Steve Martland, Klaus Lang, Isabel Mundry, Rolf Riehm, Annette Schmucki und Toru Takemitsu) als auch Interpreten (etwa Teodoro Anzellotti, Matthias Kaul und Marianne Schroeder) stehen. Andere Beiträge befassen sich mit komplexen ästhetischen Fragen des zeitgenössischen Musiklebens (so die Texte «Pfade, Wegweiser, Horizonte. Entwicklungstendenzen neuer Musik» oder «Mixen, Scratchen, Komponieren. Neue elektronische Musik» aus dem Bereich «Neue elektronische Musik»), mit einzelnen Aspekten der technischen Produktionsbedingungen (etwa «Der Chip macht die Musik. Möglichkeiten und Konsequenzen digitaler Technologie bei der CD-Produktion» aus dem Themenfeld «Technik»), mit unterschiedlichen musikalischen Gestaltungsmodi (so «Rauschen, Zischen, Knacken. Zivilisationsgeräusche und Musik» im Bereich «Geräusch›») oder auch mit wichtigen soziologischen und gesellschaftlichen Problemkreisen (etwa «Der Klang der Zeche. Multimediale Performance an Industriestandorten des Ruhrgebiets» oder «On the Road. Straßenmusik und Straßenmusiker» in der Rubrik «Sonstiges»). In ihrer Gesamtheit begleiten Ehrlers seit 1996 entstandene Beiträge damit ein zwar selektives, aber dennoch hoch interessantes Spektrum von zehn Jahren medialer und musikalischer Entwicklung.

 

(1) vgl. Stefan Drees: «Kritik am Puls der Zeit», in: Neue Zeitschrift für Musik 3/2005,

S. 62/63.

(2) Die im folgenden Beitrag aufgeführten Links sind zwecks besserer Zugänglichkeit unter http://www.musikderzeit.de zusammengefasst; sie finden sich zudem in einem kommentierten Linkverzeichnis auf der Homepage des Autors unter http://www.stefandrees.de/ nzfm2005.html.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Neuen Zeitschrift für Musik 6/2005.

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