artikel
|
|
Rätz, RicardaJosef Matthias Hauers verkannte Theorie und missverstandene Ästhetik |
Sowohl Theorie als auch Musik des österreichischen Komponisten Josef Matthias Hauer (1883-1959) werden zumeist unterschätzt, denn fast immer wird vernachlässigt, dass Hauer eine eigenständige Kompositionsmethode und Ästhetik sowie eine eigene Theorie über die zwölf Töne entwickelte, die sich grundlegend von der Schönberg´schen unterscheidet und an dieser nicht bemessen werden kann. Kernstück der Hauer´schen Theorie ist das System der 44 Tropen, mit dem er bereits in den 1920er Jahren sämtliche Zwölftonreihen in verschiedene Grundtypen geordnet hatte. Dieses System hat Hauer, wie die weitaus meisten Aspekte seiner Theorie, sehr unzureichend dargestellt, was zu den bis heute bestehenden Vorbehalten beitrug. Obwohl Hauers Musik auf dem gleichmäßigen Einsatz aller 12 Töne des temperierten Tonsystems beruht und er seine Musik als atonal bezeichnete, strebte er keinen expressiven Stil an, sondern war vielmehr bemüht, eine meditative musikalische Sprache zu finden. Dieses ästhetische Ideal entwickelte er aufgrund seiner Beschäftigung mit alter chinesischer Philosophie, aus deren Begriffen er spezifische Ansätze für seine eigene musikalische Theorie entwickelte, bei der sich z.B. Töne in Verbindung mit Intervallen, Tonarten und Farben komplementär zueinander verhalten. In den Zwölftonspielen seiner letzten Schaffensphase war er der Meinung, alle theoretischen und kompositorischen Fragen ein für allemal gelöst zu haben.
Downloads
| PDF: |
Rätz, Ricarda: Josef Matthias Hauers verkannte Theorie
Melos 2/2005, 13 S.
|
243,7 KB | Preis: 1.00 € |
